Luigi Gaggero

Conductor, Cimbalom Artist, Percussionist

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Auf der Suche nach neuen Klangfarben begannen sich in den letzten Jahren viele Komponisten für das ungarische Zimbal zu interessieren. Anlass hierfür war mit großer Sicherheit die ungebrochene Faszination, die vom Schaffen des ungarischen des ungarischen Komponisten György Kurtág ausgeht, der wiederum ein großer Liebhaber des Zimbals ist und dieses Instrument in den meisten seiner Werke zum Einsatz bringt. Die Vorläufer des Zimbals lassen sich bis in das Altertum hinein zurückverfolgen. Das dem islamischen Kulturkreis entstammende Qânun, dessen Darmsaiten mit einem Plektrum angeschlagen wurden, gilt als der unmittelbare Vorläufer des Psalteriums. Dieses schon in der Bibel häufig erwähnte Instrument kam wahrscheinlich im 11. Jahrhundert nach Europa. Eine erste Darstellung des Psalteriums findet sich am Kirchenportal von Santiago de Compostela (1184). Das Psalterium verbreitete sich rasch und erfuhr in den unterschiedlichen Regionen verschiedenartige Ausprägungen. In Griechenland, in der Türkei und in Persien beispielsweise entwickelte sich das  Santur, in Russland das Gusli, in Deutschland das Hackbrett, in Italien das Salterio und in Ungarn das Cimbalom, wobei die Instrumente gezupft oder mit zwei Klöppeln angeschlagen wurden. Seit dem 18. Jahrhundert steht das Zimbal für ungarisches Cholorit und ist aus der Volksmusik und den Ensembles der Sinti und Roma nicht mehr wegzudenken. In den Status eines Konzertinstrumentes wurde das Zimbal erstmals durch Ferenc Erkel und Franz Liszt erhoben. Diese Entwicklung wurde durch die Neuerungen – das Instrument bekommt Beine und wird mit Pedalen ausgestattet – des Instrumentenbauers Vencel Jozséf Schunda, die 1872 auf einer Ausstellung in Kecskemét der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, gefördert. Seit 1897 wird das Zimbal an der Musikakademie in Budapest unterrichtet. Einer der ersten nichtungarischen Komponisten, die den charakteristischen Klang des Zimbals zur Geltung brachte, war Igor Strawinsky mit seiner szenischen Burleske „Renard“ und dem „Ragtime“. Das heutige Konzert-Zimbal hat 133 Saiten und einen Tonumfang von fast 5 Oktaven und wird mit zwei Holzklöppeln angeschlagen, die mit unterschiedlichen Materialien (z.B. Baumwolle oder Leder) umwickelt sind.

Swantje Richter